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Zehn Jahre PAG: Was eine gute Rückkehr in die Arbeit braucht
Was hilft Beschäftigten, nach einer längeren Erkrankung gut an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren? Welche Unterstützung können Betriebe leisten? Und warum reicht ein formal durchgeführtes Betriebliches Eingliederungsmanagement allein nicht aus?
Diese Fragen standen im Mittelpunkt unserer Fachtagung „Return to Work – Gute Rückkehr in die Arbeit“ am 3. Juli 2026 in Hamburg. Anlass war das zehnjährige Bestehen der Anlaufstelle Perspektive Arbeit & Gesundheit (PAG). Fachleute aus Wissenschaft, Beratung und betrieblicher Praxis diskutierten gemeinsam mit den Teilnehmenden, wie eine Rückkehr nachhaltig gelingen kann.
Rückkehr ist keine rein individuelle Aufgabe
Nach einer längeren Erkrankung richtet sich der Blick häufig zuerst auf die betroffene Person: Ist sie wieder belastbar? Kann sie ihre bisherige Leistung erbringen? Was muss sie verändern, um den Anforderungen erneut gerecht zu werden?
Diese Fragen greifen zu kurz. Arbeitsfähigkeit entsteht im Zusammenspiel zwischen den Voraussetzungen eines Menschen und den Bedingungen, unter denen gearbeitet wird. Deshalb muss auch betrachtet werden, welche Belastungen am Arbeitsplatz bestehen und was sich dort verändern lässt.
Das gilt besonders bei psychischen Erkrankungen. Ein Resilienztraining löst keine dauerhaft zu hohe Arbeitsmenge. Ein Entspannungskurs verbessert keine konfliktreiche Führung. Individuelle Unterstützung kann hilfreich sein, ersetzt aber keine gesundheitsgerechte Arbeitsgestaltung.
BEM erreicht noch nicht alle Beschäftigten
Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) soll Beschäftigte dabei unterstützen, nach längerer Arbeitsunfähigkeit dauerhaft und gesund an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren. Dennoch erhalten viele Beschäftigte kein entsprechendes Angebot.
Auf der Fachtagung vorgestellte Daten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin zeigen: 2024 erhielten nur 52 Prozent der anspruchsberechtigten Beschäftigten ein BEM-Angebot. Besonders in kleinen Betrieben fehlen häufig Zeit, Wissen, personelle Ressourcen und klar geregelte Abläufe.
Auch ein angebotenes BEM führt nicht automatisch zu einer guten Lösung. Beschäftigte müssen dem Verfahren und den beteiligten Personen vertrauen können. Gemeinsam sollte geklärt werden, welche konkreten Veränderungen notwendig und möglich sind. Das können zum Beispiel eine vorübergehende Anpassung der Arbeitszeit oder Arbeitsmenge, verlässliche Gespräche mit Vorgesetzten oder eine bessere Arbeitsorganisation sein.
Mehr zum Ablauf und zu Ihren Rechten erfahren Sie in unserem Ratgeber zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement.
Frühzeitige und unabhängige Beratung hilft
Viele Beschäftigte kommen mit einem hohen Leidensdruck in unsere Beratung. Manchmal sehen sie nur noch eine Kündigung oder einen vollständigen Berufswechsel als Ausweg. Gemeinsam betrachten wir, welche Belastungen durch die Arbeit entstehen, welche Rechte und Handlungsmöglichkeiten bestehen und welche realistischen Zwischenschritte möglich sind.
Gleichzeitig beraten wir Betriebe und Interessenvertretungen. Dabei geht es unter anderem um folgende Fragen:
- Wie ist der Arbeitsschutz organisiert?
- Wie werden gesundheitliche Gefährdungen ermittelt?
- Wer ist am BEM beteiligt?
- Haben die zuständigen Personen ausreichend Wissen und Handlungsmöglichkeiten?
- Können gesundheitliche Schwierigkeiten ohne Angst vor Nachteilen angesprochen werden?
Als externe Anlaufstelle arbeitet die PAG unabhängig. Dadurch können auch schwierige oder tabuisierte Themen angesprochen werden. Wir unterstützen Beschäftigte, ohne die Verantwortung des Betriebes zu ersetzen, und beraten Betriebe, ohne die Interessen der Betroffenen aus dem Blick zu verlieren.
Gute Arbeit braucht dauerhafte Strukturen
Die Erfahrungen aus zehn Jahren PAG zeigen: Der Beratungsbedarf ist groß. Gleichzeitig kann die PAG nur einen Teil der Beschäftigten und Betriebe erreichen, die Unterstützung benötigen.
Unabhängige Beratung zu Arbeit und Gesundheit ist kein Luxus. Sie hilft dabei, gesundheitliche Probleme frühzeitig zu erkennen, Arbeitsplätze zu erhalten und betriebliche Veränderungen anzustoßen. Dafür braucht es dauerhaft verfügbare und verlässlich finanzierte Angebote.
Das Jubiläum war deshalb nicht nur ein Anlass zum Feiern und Zurückblicken. Es hat noch einmal deutlich gemacht: Gesundheit und Arbeit müssen konsequent zusammengedacht werden. Beschäftigte und Betriebe benötigen Unterstützung, damit aus diesem Anspruch konkrete und tragfähige Lösungen entstehen können.
Sie haben Fragen zu Arbeit und Gesundheit?
Die PAG berät Beschäftigte, Betriebe und Interessenvertretungen in Hamburg unabhängig und kostenfrei. Nehmen Sie gern Kontakt mit uns auf.
